Manchmal braucht es gar nicht viel, um einem Menschen eine Freude zu bereiten. Manchmal ist es ein schöner Pullover, eine neue Bluse oder ein Kleidungsstück, das man sich selbst aussuchen darf. Aus diesem Gedanken entstand in unserem AWO Wohnpark An der Koppel die Aktion „Kleine Schätze suchen ein neues Zuhause“.
Die Grundlage dafür bildeten ausschließlich neuwertige und sehr gut erhaltene Kleidungsstücke, die uns von Angehörigen unserer Bewohnenden sowie von Mitarbeitenden gespendet wurden. Darunter waren wunderschöne Sachen, teilweise ungetragen und noch mit dem originalen Preisschild versehen. Als wir die gespendeten Kleidungsstücke sahen, kam uns der Gedanke, wie viel Freude sie unseren Bewohnenden bereiten könnten. Denn was für den einen Menschen keine Verwendung mehr findet, kann für einen anderen zu einem neuen Lieblingsstück werden.
Wir dachten dabei besonders an die Menschen in unserem Wohnpark, die aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht mehr selbst einkaufen gehen können oder deren finanzielle Möglichkeiten begrenzt sind. Für viele Menschen ist es selbstverständlich, ein Geschäft zu betreten, sich in Ruhe umzusehen, etwas anzuprobieren und selbst zu entscheiden, was ihnen gefällt. Doch für manche unserer Bewohnenden ist genau das nicht mehr ohne Weiteres möglich. Und warum sollten wir ihnen dieses kleine Stück Normalität nicht direkt in unseren Wohnpark holen?
So entwickelte sich die Idee, aus den gespendeten Kleidungsstücken eine besondere Aktion zu gestalten, bei der sich unsere Bewohnenden ganz in Ruhe umsehen, stöbern, anprobieren und ihre persönlichen Lieblingsstücke aussuchen konnten. Und das völlig kostenlos.
Uns ging es dabei um weit mehr als das Weitergeben von Kleidung. Wir wollten unseren Bewohnenden die Möglichkeit geben, eigene Wünsche zu äußern, ihren persönlichen Geschmack einzubringen und selbst Entscheidungen zu treffen. Denn genau darin liegt für uns ein wichtiger Aspekt sozialer Teilhabe.
Teilhabe bedeutet nicht nur, an Angeboten teilzunehmen, sondern auch, eigene Wünsche einbringen zu können, Wahlmöglichkeiten zu haben und selbstbestimmt entscheiden zu dürfen. Gerade in einer Pflegeeinrichtung sind die Bedürfnisse der Menschen sehr unterschiedlich. Manche Bewohnenden sind in ihrer Mobilität eingeschränkt, andere benötigen umfassende Unterstützung. Für bettlägerige Menschen kann beispielsweise weiche, locker sitzende Kleidung wichtig sein, damit Druck und Reibung möglichst vermieden werden und die pflegerische Versorgung erleichtert wird. Doch bei allen pflegerischen Anforderungen darf der Mensch mit seinen persönlichen Vorlieben nicht aus dem Blick geraten. Denn Kleidung ist nicht nur etwas, das wir tragen. Sie hat auch mit Wohlbefinden, Würde und unserer eigenen Identität zu tun. Selbstbestimmung zeigt sich oft gerade in diesen kleinen Dingen des Alltags. Auch wer Unterstützung benötigt, sollte nach seinen Möglichkeiten mitentscheiden dürfen.
Für uns sind es genau diese kleinen Herzensangelegenheiten, die wir im Wohnpark-Alltag nicht aus dem Blick verlieren dürfen. Soziale Arbeit zeigt sich nicht nur in großen Projekten, sondern auch darin, aufmerksam hinzuschauen und aus alltäglichen Möglichkeiten etwas Wertvolles entstehen zu lassen.
Auch der Gedanke der Nachhaltigkeit spielte bei unserer Aktion eine wichtige Rolle. Warum sollten sehr gut erhaltene Kleidungsstücke ungenutzt bleiben, wenn sie einem anderen Menschen noch Freude schenken können?
Am 2. November wurde aus der Idee Wirklichkeit. Bei unserer Aktion konnten unsere Bewohnenden nach Herzenslust stöbern, Kleidungsstücke anprobieren, miteinander ins Gespräch kommen und sich ihre persönlichen Lieblingsstücke aussuchen, ohne dafür etwas bezahlen zu müssen.
Für unseren Wohnpark war diese Aktion deshalb weit mehr als die kostenlose Weitergabe gespendeter Kleidung. Sie verband Nachhaltigkeit mit gelebter sozialer Teilhabe und der Möglichkeit, eigene Wünsche und Entscheidungen auch im Pflegealltag ernst zu nehmen.
Denn manchmal ist es eben nicht nur ein Pullover, eine Bluse oder ein schönes Nachthemd. Manchmal steckt darin auch das Gefühl, gesehen zu werden, selbst auswählen zu dürfen und mit den eigenen Wünschen wichtig zu sein.
Mein Gedanke dabei war:
„Manchmal braucht es nur einen offenen Blick und ein offenes Herz, um aus etwas, das nicht mehr gebraucht wird, wieder etwas Wertvolles zu machen. Wenn wir solche Möglichkeiten sehen und nutzen – wer, wenn nicht wir? Und wo, wenn nicht bei der AWO Wildau GmbH?“
Ein herzliches Dankeschön an alle Angehörigen, Mieter*innen und Mitarbeitenden, die unsere Aktion mit ihren Kleiderspenden unterstützt haben. Durch ihre Bereitschaft, neuwertige und sehr gut erhaltene Kleidungsstücke weiterzugeben, wurde aus einer kleinen Idee etwas Besonderes.
Gina Griepentrog – AWO Wohnpark An der Koppel
